Landesmuseum Koblenz
24. Juni 2007
Kultur
Der Limes ist das größte Bodendenkmal Europas. 150 Jahre lang, vom Anfang des 2. bis zur Mitte des 3. nachchristlichen Jahrhunderts sollte der Grenzwall das römische Imperium vor germanischen Überfällen schützen und den Grenzverkehr regeln helfen. Beginnend in Rheinbrohl verlaufen von seinen 550 km Gesamtlänge 75 km mit 132 Wachttürmen und zahlreichen Kastellen auf rheinland-pfälzischem Boden. Wie das Mittelrheintal mit seinen Burgen und Weinbergen zählt er seit kurzem zum Weltkulturerbe der UNESCO.
An der Schnittstelle dieser beiden Streckendenkmäler präsentiert das Landesmuseum Koblenz auf der Festung Ehrenbreitstein – hoch über dem „nassen Limes“ Rhein gelegen – eine Ausstellung, die sich Geschichte, Bau und Aufgabe dieser einzigartigen Befestigungsanlage widmet. Am Endpunkt einer „Straße der Römer“, die in Trier mit der großen „Konstantin-Ausstellung“ beginnt und die Mosel entlang bis Koblenz verläuft, bietet sie als Familienausstellung mit Modellen und archäologischen Zeugnissen jeder Altersgruppe interessante Einblicke in diese Epoche.
Die Themen reichen von den unterschiedlichen Ausbaustufen des Limes und den Kastellen im Hinterland über das Alltagsleben der in den kalten, undurchdringlichen Westerwald abkommandierten Soldaten bis zum damit einher gehenden wirtschaftlichen und kulturellen Austausch. Ein besonderer Akzent liegt auf der rheinland-pfälzischem Landeshauptstadt Mainz, dem antiken Mogontiacum. Als Garnison und Verwaltungssitz der Provinz Obergermanien war Mainz nicht nur eines der wichtigsten Machtzentren im römischen Reich, sondern vor allem auch ein multikultureller Schmelztiegel. Das Leben in der Stadt, das gallische Händler, römische Beamte und Heerführer sowie Soldaten aus den entlegensten Teilen des römischen Reiches prägten, wird anhand von beeindruckenden Funden illustriert.
Hinter dem Grenzwall des Limes, von Soldaten in römischen Diensten gegen germanische Einfälle geschützt, vollzog sich eine planmäßige Erschließung und Kolonisierung des Mittelrhein- und Moselgebietes sowie der umliegenden Mittelgebirgslandschaften. An Rhein und Mosel wurden Städte gegründet, die häufig auf Siedlungen aus vorrömischer Zeit fußen und bis in die Gegenwart wirtschaftliche Zentren bleiben. Die landwirtschaftliche Produktion diente nicht mehr länger nur dem eigenen Bedarf, sondern auch dem der Soldaten und der Stadtbewohner. Neben den typischen römischen Gutshöfen entstanden dorfähnliche Siedlungen („vici“) mit Wohnhäusern, Werkstätten, Läden und einem Marktplatz.
Ein Netz befestigter Fernstraßen verband die Orte und Militärstationen untereinander und bildete die Basis einer funktionierenden Infrastruktur.
Nach den großen Germanenüberfällen um 259/260 wurden der Limes und das rechtsrheinische Territorium aufgegeben und der Rhein wird zum Grenzfluss. Entlang dieses „nassen Limes“ entstanden neue Befestigungen. Städtische Ansiedlungen erhielten Stadtmauern und strategisch wichtige Punkte wurden mit kleinen Festungen, „burgi“, geschützt.
Ein solcher „burgus“ stand auch bis in das frühe 5. Jh. auf dem Hochplateau des Ehrenbreitstein. Schleudergeschosse aus Bronze und Blei vom Berghang bezeugen Kampfhandlungen im Zuge der Verteidigung der spätantiken Rheingrenze.
Eine Sonderausstellung des Landesmuseums Koblenz in Kooperation mit den Direktionen Archäologie, „Burgen, Schlösser, Altertümer“, der Koblenz Touristik und der Handwerkskammer Koblenz
Laufzeit: 24.6.-11.11.2007
Öffnungszeiten: täglich 9.30 - 17.00 Uhr